Der Urknall des Rock

Im Juni 1953 klopfte in Memphis, Tennessee, ein achtzehnjähriger junger Mann mit recht auffälliger Kleidung und Koteletten, wie man es eher von dunkelhäutigen Jugendlichen kannte, an die Tür von Sam Phillips Memphis Recording Service, um von seinem ersten Lohn eine Schallplatte aufzunehmen. Es sollte ein Geschenk für seine Mutter sein. Der Chef war nicht im Hause, aber die Assistentin war schwer beeindruckt von der Stimme des jungen Mannes und notierte sich den Namen. Er hieß Elvis Presley.

Ein ganz neuer Sound

Ein Jahr später lud Sam Phillips, der nebenbei das Schallplattenlabel Sun Records betrieb, ihn mit zwei weiteren jungen Leuten an Bass und Gitarre zu einer Aufnahmesession ein. Sie verlief wenig erfolgreich, bis in einer Aufnahmepause Elvis spontan die Bluesnummer That’s alright Mama anstimmte, aber in einem ganz anderen musikalischen Gewand.

Und damit war es passiert: Es war die Geburtsstunde eines ganz neuen Sounds, einer energiegeladenen Fusion aus schwarzem Gospel und Blues sowie weißen Country-Elementen. Damit war es der Beginn einer musikalischen und letztlich auch gesellschaftlichen Revolution und der Start einer Entwicklung, bei der aus dem jungen Mr. Presley der King of Rock ’n’ Roll werden sollte, dem man noch 75 Jahre später im weit entfernten Deutschland eine riesige Bronzestatue errichten sollte.

Chaotische Live-Auftritte

Der Erfolg dieses Lieds war gigantisch, schuf Bedarf nach mehr und es entstanden einige weitere Singles, zum Beispiel Good Rockin‘ tonight und Blue Moon. Live-Auftritte führten zu vollkommen ungewohnten Reaktionen des Publikums. War man es gewohnt, dass Konzerte im Sitzen und mit höflicher Zurückhaltung als kulturelles Ereignis absolviert wurden, brach sich jetzt die ganze aufgestaute Emotion der von strengen gesellschaftlichen und moralischen Konventionen eingeengten Jugendlichen Bahn. Es kam zu Tumulten und manchmal endeten solche Konzerte mit zerstörten Sitzmöbeln und Polizeieinsätzen.

Der Grundstein war gelegt, aber noch war Elvis ein eher regionales Phänomen. Mit seinem Wechsel von Sam Phillips‘ Sun Records zum landesweit tätigen RCA-Label eröffneten sich ganz neue Dimensionen.